Ehrenamts-Preis für Moderatorin des Friedens-Bildungs-Programms

Mitarbeitende des Straf- und Maßregelvollzugs von Miami-Dade (von links nach rechts): Direktor James Reyes, Lucy Collins (Freiwillige des Jahres), stellvertretende Direktorin Cassandra Jones, Berater Terrance Matthews und Personalleiter JD Patterson.

Leben verändern bringt inneren und äußeren Lohn

„Wenn ich Leute sehe, sehe ich Menschen.“ – Lucy Collins

Lucy Collins, die ehrenamtlich als Moderatorin des Friedens-Bildungs-Programms im Corrections and Rehabilitation Center von Miami-Dade tätig ist, erhielt am 13. April 2023 die Auszeichnung „Reentry Volunteer of the Year“. Ms. Collinsʼ herausragendes Engagement, ihr warmherziger und positiver Einfluss auf die Häftlinge war in der Einrichtung nicht zu übersehen. Die Auszeichnung wurde ihr im Rahmen eines Frühstücks-Events überreicht, an dem die Mitarbeiter des Centers, einige Leiter von Sozialeinrichtungen sowie die Bezirksbürgermeisterin der Stadt Daniella Levine Cava teilnahmen.

Doch allein das Gefühl, im Leben dieser „vergessenen Menschen“ eine Veränderung zu bewirken, ist für sie Belohnung genug.

„An dieser Veränderung teilzuhaben ist ein großes Geschenk“, sagt Lucy Collins.

(Randnotiz: „Reentry“ bezieht sich auf die Häftlinge, die sich auf eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereiten.)

Sehen Sie sich dieses kurze Video an, das Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt von Miami-Dade über ihre außergewöhnliche Arbeit gedreht haben:

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Ein Faible für Menschen, ein Faible für Frieden

Lara Palafox von TPRF hat mit der Preisträgerin Lucy Collins gesprochen.

Nicht nur die Strafvollzugsbeamten sind von der Zusammenarbeit mit Ms. Collins beeindruckt. Es war eine Freude, sie zwischen ihren vielen Aktivitäten zu interviewen, und mit ihrer wachen, lebhaften Art hat sie auch mich begeistert.

Lucy Collins kann auf zehn Jahre ehrenamtliche Tätigkeit am Miami-Dade zurückblicken. Ich wollte wissen, wie es für sie war, als sie zum ersten Mal einen Kurs in einer Strafvollzugseinrichtung durchführte, und fragte sie, ob sie irgendwelche Ängste oder Bedenken verspürt habe. Ihre Antwort? Ein glattes „Nein“.

Ich fragte noch einmal nach: „Also nichts dergleichen?“

„Nein.“

Ich lachte und fragte: „Wie haben Sie sich gefühlt?“

Ihre einfache Antwort: „Wenn ich die Leute hier sehe, sehe ich Menschen. Ich bringe ihnen sehr viel Mitgefühl und Achtung entgegen.“

Und diese Achtung zeigt sich in der Art, wie sie die Teilnehmenden des Friedens-Bildungs-Programms beschreibt. Sie erzählt davon, wie sie das erste Mal in den Raum kommen: „Viele Menschen sind so verletzt. Sie haben weder Selbstachtung noch Achtung vor anderen. Sie schauen einfach nur vor sich auf den Tisch. Ich hatte die Ehre, ihnen bei ihrer Verwandlung zuzusehen – wie sie werden, wer sie wirklich sind.“

 

Lucy Collins (im Bild mit Terrance Matthews): Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Jahres empfängt ihre Auszeichnung beim ersten Frühstück der Ehrenamtlichen in Miami-Dade, Florida.

Eine Woge der Wertschätzung

In ihrer bescheidenen Art nahm Ms. Collins ihre Auszeichnung entgegen. Es regnete in Strömen an diesem Vormittag des 13. April, in der Region kam es zu Überschwemmungen, sodass sie es beinahe nicht zur Frühstückszeremonie geschafft hätte. Da wusste sie noch nichts von der bevorstehenden Auszeichnung, war aber fest entschlossen, an dem Frühstück teilzunehmen. Sie hatte bereits zugesagt und wollte niemanden enttäuschen.

Noch immer in Unkenntnis ihrer Auszeichnung, saß sie am Tisch und hörte den Moderator von der Arbeit und den Leistungen einer herausragenden ehrenamtlichen Mitarbeiterin erzählen. Kurz bevor sie auf die Bühne gerufen wurde, wurde ihr klar, dass von ihr die Rede war, und ihr kamen die Tränen.

Lachend erinnert sie sich: „Dann holten sie mich auf die Bühne. Ich kämpfte immer noch mit den Tränen.“

 

Ein Glück kommt selten allein …

Lucy Collins war es stets ein Anliegen, anderen zu helfen. Vor etwa 35 Jahren begann sie sich ehrenamtlich um Kinder zu kümmern, deren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde (Guardian ad Litem). Derzeit arbeitet sie ehrenamtlich für das Friedens-Bildungs-Programm, außer in Miami-Dade noch in zwei weiteren Justizvollzugsanstalten: im Turner Guilford Knight Correctional Center (TGK) und in der Everglades Correctional Institution. Insgesamt verbringt sie etwa sieben Stunden pro Woche mit ehrenamtlicher Arbeit.

Als sie vor zwölf Jahren beim TGK anfing, engagierten sich dort nur sehr wenige. Im Miami-Dade Corrections and Rehabilitation Center fand sie dann in Terrance Matthews einen Seelenverwandten (den sie liebevoll als „meinen Stiefzwilling“ bezeichnet). Mr. Matthews, der zu dieser Zeit als Resozialisierungsberater dort tätig war, sah die wunderbaren Auswirkungen des Friedens-Bildungs-Programms auf die Teilnehmer und gab dem Programm und der Arbeit von Lucy Collins seine volle Unterstützung.

Heute koordiniert Mr. Matthews die ehrenamtlichen Angebote für alle Justizvollzugseinrichtungen in Miami-Dade und kann das Programm nur weiterempfehlen. In der Zwischenzeit haben die Samen des Friedens, die Lucy Collins unermüdlich gesät hat, Früchte getragen.

Die Veränderungen, die mit ihrer Hilfe im Leben so vieler Menschen möglich wurden, haben auch andere auf das Friedens-Bildungs-Programm aufmerksam gemacht. So kamen im Anschluss an die Preisverleihung Anfragen von Verantwortlichen für Programme im Bereich Polizeiarbeit, Veteranenhilfe und von einer Entzugsklinik herein.

Foto von Lucy Collins, Moderatorin des Friedens-Bildungs-Programms und Ehrenamts-Preisträgerin für Wiedereingliederungshilfe, vor einem großen Baum in einem üppig grünen Park in Florida

Lucy Collins: Frieden ist ihr ein Anliegen

Freude hat kein Verfallsdatum

Angesichts der vielen anstehenden Aufgaben ist für Lucy Collins kein Ende der Arbeit in Sicht, die ihr sehr viel Freude macht.

Ansporn sind für sie nicht nur die Veränderungen bei Insassen, die bald entlassen werden, sondern auch bei denen, die noch einige Zeit „hinter Gittern“ bleiben werden. Einige Teilnehmer durchlaufen das Friedens-Bildungs-Programms schon seit Jahren. Sie ist voll des Lobes, wenn sie von ihnen spricht.

„Ich habe gerade einen Kurs durchgeführt und alle hatten Freude daran. Wenn jemand enen Kommentar beisteuerte, klatschten die anderen Beifall. Sie respektieren einander“, schwärmt sie.

Laut Lucy Collins sind die positiven Auswirkungen auf die Teilnehmer so offensichtlich, dass sich alle einig sind:

„Wenn ich erst ins Gefängnis kommen musste, um von dieser Botschaft zu hören und etwas über mich selbst zu erfahren, dann war es das echt wert.“

 

Ich habe die Freiwillige des Jahres gefragt, wie lange sie ihre Arbeit mit dem Programm noch fortführen wolle.

Ihre Antwort: „Dieses Programm zu präsentieren ist eine der größten Freuden meines Lebens, und ich hoffe, dass ich noch so lange wie möglich damit weitermachen kann.“

Viele andere sehen das auch so.

 

Erfahren Sie mehr über das Friedens-Bildungs-Programm

 

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